Die kleine Stadtführung – heute: das Brandenburger Tor

Die kleine Stadtführung

Am einstigen westlichen Ortstausgang von Potsdam gelegen, kann das barocke Brandenburger Tor auf eine spannende Geschichte zurückblicken. Dabei sind auch die letzten 20 Jahre nicht frei von Skurrilitäten.

So hatte die Stadtverwaltung zur Jahrtausendwende den Plan, dem Tor zu beiden Seiten Gebäude aus Stahl und Glas anzugliedern und damit optisch die Brandenburger Straße zu schließen. Auch von den drei Durchgängen sollten zwei geschlossen werden um hier Geschäftsräume unterzubringen. Eine mühsam herausgekramte Statistik von 1974 hätte nämlich ergeben, daß der Durchgangsverkehr zum Park Sanssouci durch das Tor kaum der Rede wert ist. Immer wieder spannend, wenn die verteufelte DDR dann doch mal herhalten darf, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Daß 1974 die Brandenburger Straße im Stück eine Großbaustelle war und das Tor auf der Verkehrsinsel einer vierspurigen Straße stand, hatten die Menschen aber noch nicht vergessen. Seitdem wacht deshalb die Initiative „Freies Tor“ über die Offenhaltung des Weges. Die Planungen zur „modernen“ Einfassung des Tores wurden fallengelassen.

Seit den Bauarbeiten ab 2017 ist nun das Tor doch verschlossen. Und zwar alle drei Bögen. Und weil es offenbar keine nennenswerte Verkehrsplanung in Potsdam gibt, führt der Überweg mit den Ampeln die Fußgänger vom Luisenplatz trotzdem direkt auf das gesperrte Tor zu, statt hier eine provisorische Verlegung des gut genutzten Überweges um einige Meter überhaupt in Erwägung zu ziehen. Indessen laufen die Vorbereitungen zur farblichen Änderung des Brandenburger Tores hinter den Bauschutzplanen. Klar ist natürlich, daß die optisch ansprechende Gestaltung, die zur Jahrhundertwende und in der DDR vorzufinden war, nicht wiederhergestellt wird. Wäre das Tor in der DDR schwarz gewesen, hätte man es heute weiß gestrichen. Spannend wird es dann aber, wenn die MAZ den während der Bauarbeiten ermöglichten Diebstahl von Teilen der Krone beklagt, welche das Tor auf der Seite zum Luisenplatz ziert. Wie die Zeitung zu berichten weiß, hat man in der DDR jene Königskrone zwar nicht angetastet aber auch niemals saniert. Eine rote Arbeiterfahne wurde als Kontra auf dem Brandenburger Tor gehißt. Nun ist es nicht schlimm, wenn MAZ-Redakteure immer mal wieder so offensichtlich sich nicht in Potsdam auskennen sondern hier nur zur Arbeit herkommen. Aber ein wenig journalistische Sorgfalt wäre doch ganz gut. Die DDR, welche in Respekt und Trotz die Krone unangetastet vor sich hinrotten läßt… schöne Geschichte. Nur eben völlig frei erdacht. Hatte nicht statt dessen die DDR Mitte der 70er dem Tor erst die Krone wieder ersetzt, welche in den 50er Jahren aus politischen Gründen zerstört wurde? In den 50ern zerstört, in den 70ern rekonstruiert: Die Geschichte der DDR in ihren Widersprüchen scheint manchen Agitatoren in Potsdam zu komplex zu sein.

Noch befindet sich das Tor hinter Bauplanen. Aber in wenigen Wochen wird auch in Potsdam das Brandenburger Tor von beiden Seiten wieder offen stehen. Bis eines Tages jemand eine Statistik heraussuchen wird, daß im Jahr 2018 kaum jemand durch das Tor gelaufen ist und man deshalb die Idee wiederbeleben könnte, in den Bögen Geschäftsräume einzurichten…

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